Forschungsbereiche

Die AG alp verfolgt in diesem Bereich grundsätzlich drei Ansätze die auf verschiedenen Lasertechnologien basieren. Dies sind einerseits die Anwendung von Faserlasern im Dauerstrich und gepulsten Betrieb zur Bearbeitung von Keramiken wie Aluminiumnitrid, Aluminiumoxid und Halbleitern wie Siliziumkarbid. Dabei werden die klassischen Bearbeitungsformen Schneiden, Bohren sowie Strukturieren untersucht und anwendungsorientiert optimiert. Zusätzlich werden im Bereich Siliziumkarbid alternative Annealingprozesse zur Verbesserung des elektrischen Übergangs zwischen metallischen Schichten und dem Halbleiter SiC erforscht. Anderseits wird für die Materialbearbeitung auch die innovative Ultrakurzpulstechnologie eingesetzt, die aufgrund ihrer geringen Pulslängen eine besonders schonende Prozessierung erlaubt. Dies gilt neben Keramiken und Halbleiter auch für Supraleiter. Darüber hinaus wird das wasserstrahlgeführte Laserschneiden mit gepulsten Lasersystemen eingesetzt, um insbesondere Halbleiter und Supraleiter zu bearbeiten.

Herstellung von 3D-Mikroformen in Keramik

In der Entwicklung von vollautomatisierten Laserfertigungsprozessen spielt eine zuverlässige online Prozessüberwachung eine Schlüsselrolle. Der Forschungs­schwerpunkt liegt hier in der Entwicklung und Implementierung optischer Systeme und Algorithmen zur online Überwachung von Schnittabrissen sowie Qualitätsmerkmalen beim Trennen von Metallen mit Hochleistungs-Faserlasern sowie dem Pulverauftragsschweißen mit diesen Strahlquellen. Dabei werden verschiedene Sensorikkonzepte entwickelt und unter industriellen Bedingungen qualifiziert.

Design des Laserschneidsystems mit detaillierter Darstellung des Sensorsystems.

Die laserinduzierte Nanostrukturierung und der damit verbundenen Funktionalisierung technischer Oberflächen revolutioniert aktuell Anwendungen in der Medizintechnik, Biotechnologie, Tribologie und Elektronik. Prominentes Beispiel ist das gezielte Einstellen hydrophiler und hydrophober Eigenschaften von Oberflächen. Die AG alp forscht in diesem Bereich an grundlegenden Fragestellungen zur Herstellung dieser Nanostrukturen auf leitenden und nichtleitenden Werkstoffen, der Herstellung qualitativ hochwertiger flächiger Nanostrukturierungen und der anforderungsgerechten Optimierung dieser Prozesse für verschiedenste Anwendungen.

Laserinduzierte periodische Oberflächenstrukturen auf Saphir (engl. Laser-induced periodic surface structures - LIPSS)

Gläser sind aufgrund ihrer ausgezeichneten physikalischen und chemischen Eigenschaften eine vielseitig einsetzbare Materialklasse. Anwendungsgebiete reichen von der Optik über die Elektronik und Telekommunikation bis zur Biomedizin. Durch ihre hohe Transparenz im Sichtbaren und Nahinfraroten werden technische Gläser erst durch die Verwendung von Ultrakurzpulslaser für die hochwertige Lasermikro­materialbearbeitung zugänglich.
Die AG alp beschäftigt sich mit der Ultrakurzpulsbearbeitung von Gläsern in der Erstellung von Freiformen für die Erzeugung optischer Bauelemente. Durch eine interne Lasermodifikation der Substrate können darüber hinaus dreidimensionale Strukturen in einem selektiven Ätzprozess aus dem Material herausgelöst werden.
Im Bereich der Nanostrukturierung forscht die AG alp an der Erstellung laserinduzierter periodischer Oberflächenstrukturen auf Dielektrika. Die großflächige, homogene Strukturierung von Gläsern mit Strukturperioden < 1 µm ermöglicht ein breites Anwendungs­spektrum von optischen Beugungsgittern bis hin zur Steuerung von biologischem Zellwachstum.

Freiform Mikrooptik in Glas

Im Bereich der Metallbearbeitung fokussiert sich die AG alp auf Hochleistungs­faserlasern. In Kombination mit innovativer Anlagentechnik (z. B. 5-achsfähig) werden in der AG alp Hochleistungsfaserlaser mit einer Leistung von bis zu 4 kW verwendet, um Metalle in Schneid- und Schweißverfahren zu bearbeiten. Neben dem klassischen Schmelzschneiden wird hier auch das Laser-Remote-Schneiden untersucht. Unter Verwendung von Hochgeschwindigkeitsgalvanometerscannern können hohe Schnittgeschwindigkeiten bei geringen Wärmeeinflüssen und damit hoher Prozessqualität erreicht werden. Im Bereich des Laserschweißens steht das Pulverauftrags­schweißens im Zentrum des Interesses. Durch das Einbringen von artgleichen oder artungleichen Metallpulvern in den Laserstrahl können Freiformen in 3 Dimensionen aufgetragen werden. Darüber hinaus werden mittels modulierter Laserstrahlung das Verschweißen artfremder Werkstoffverbindungen für Anwendungen z.B. aus der Elektromobilität untersucht.

Aufbringen einer 3D-Schutzschicht mittels Laser-Pulver-Auftragsschweißen

Die Lasermaterialbearbeitung von Kunststoffen findet in der Praxis primär in der Form des Kunststoffschweißens insbesondere des Lasertransmissionsschweißens von teiltransparenten Bauteilen statt. Neben diesem klassischen Verfahren mit Diodenlasern beschäftigt sich die AG alp auch mit der Einführung von Faserlasern unter Einsatz von diffraktiven Strahlformungsoptiken. Das innovative Verschweißen transparenter Fügepartner mit dem Ultrakurzpulslaser eröffnet darüber hinaus neuartige Anwendungen, beispielsweise in der Medizintechnik. Dabei werden bemerkenswerte Ergebnisse hinsichtlich Prozessgeschwindigkeit und Prozessqualität erreicht.
Mit einem revolutionären Ansatz ermöglicht die Ultrakurzpulslasertechnologie die dreidimensionale Laserdirektstrukturierung von mikrofluidischen Kanälen in transparenten polymeren Substraten. Für eine vollständige Funktionalisierung von Kunststoffsubtraten in der Mikrosystemtechnik ergänzen weitere laserbasierte Verfahren den technologischen Ansatz:

  • Laserdirektstrukturierung mit gepulsten Lasersystemen zur Metallisierung von Kunststoffen
  • Erzeugung von mikrooptischen Funktionselementen durch Brechzahlmodifikation durch Ultrakurzpuls- und Excimer-Laser.

Laserdirekterstellung dreidimensionaler Mikrokanäle

Durch innovative Strahlformungskonzepte kann die Energie- und Prozesseffizienz als auch die Qualität eines Lasermaterialbearbeitungsprozesses um ein Vielfaches gesteigert werden. Zudem ermöglichen Strahlformungskonzepte völlig neue Anwendungen. Die AG alp forscht im Bereich der Strahlformung an der Berechnung und dem Einsatz von diffraktiven optischen Elementen und räumlichen Licht Modulatoren (engl. Spatial Light Modulators).

Top Hat Strahlprofil

Die klassische Bragg Sensorik setzt auf Faser-Bragg-Gitter zum Messen von Temperaturen und Zugspannungen. Im Vergleich zu Bragg-Gittern in Fasern ermöglicht die planare Prozessierung zum einen eine effektivere Integration der Sensorelemente in photonische Systeme, zum anderen ein breiteres Anwendungsspektrum, z.B. Multiaxiale Zug und Druck Spannungsmessungen oder Shapesensorik. In der AG alp werden planar polymere Bragg-Gitter und Wellenleiter durch einen einstufigen Excimerlaser Prozess (Single Writing Step) erstellt. Optische Strukturen werden durch Maskenbelichtung in verschiedenen optischen Standardpolymeren generiert. Aktuelle Forschungen werden im Bereich der Temperatur-, Luftfeuchtigkeits-, Druck- und Zugspannungs-, Shape und Brechungsindexsensorik mit eigens hergestellten und konfektionierten Sensorelementen durchgeführt.

Herstellung von planaren Bragg Gitter Sensoren auf der Basis von transparenten Polymeren

Die sensorische Analyse von Flüssigkeiten und Gasen ist von bedeutendem Interesse für viele Technologiebereiche wie Medizintechnik, Chemie, Produktionstechnik oder die Lebensmittelverarbeitung. Die AG alp beschäftigt sich in diesem Zusammenhang seit mehreren Jahren mit der optischen Sensorik basierend auf planaren Bragg Gittern. Sensoren nach diesem Konzept ermöglichen es qualitative Aussagen über den Brechungsindex eines applizierten Analyten zu treffen und biotechnologische Prozessvorgänge zu beschreiben. Durch die gezielte Modifikation der Sensoroberfläche lässt sich die Sensitivität und Selektivität der Sensorstruktur beeinflussen und gleichzeitig die sensorische Funktionalität erheblich erweitern. Durch die Veränderung der Oberfläche wird so der Einsatz der Sensorstruktur im Anwendungsbereich der chemischen, biochemischen, immunologischen und molekularbiologischen Analyse ermöglicht.

Funktionalisierter Bragg-Sensor auf Silizium Substrat

Die Herstellung von integrierten optischen Elementen basiert auf Technologien der Halbleiterindustrie. Die AG alp verwendet entsprechende photolithographische Methoden sowie nass- und trockenchemische Ätzprozesse zur Herstellung integrierter optischer und mikrofluidischer Komponenten (Optofluidik) in Photopolymeren.
Das Ziel dieser Forschungen ist die Sensorik von technischen Fluiden und biologischen Komponenten für Anwendungen in der Verfahrenstechnik, Biotechnik und Medizintechnik.

Ausschnitt eines mikrofluidischen Kanals mit freistehendem Wellenleiter und integrierten Bragg Gitter.

Schwerpunkte der Forschungsarbeiten der AG alp im Bereich des 3D-Laser­direktschreibens liegen erstens in der Verfahrensoptimierung zur Herstellung photonischer Komponenten. Durch das lokale selektive Belichten von Positiv- und Negativ-Fotolacken sowie Hybrid Polymeren werden neue Bauformen von optischen Bauteilen, wie Polarisationsdreher, refraktive und diffraktive Linsen oder Beugungsgitter ermöglicht. Zweitens werden durch Verkettung mit photolithografischen Verfahren ebenso neue Bauelemente realisiert als auch die effektive Aufbaurate gesteigert.

Im 3D-Laserdirektschreibverfahren hergestellter Mikroreflektor

Das selektive Laserschmelzen ermöglicht die generative Fertigung dreidimensionaler Strukturen aus Metallen. Die AG alp verfügt in diesem technologischen Bereich über eine in Europa einzigartige apparatetechnische Ausstattung. Diese umfasst insbesondere eine hybride Fertigungsanlage die das selektive Laserschmelzen und Mikrofräsen kombiniert, mit der sich Oberflächen höchster Güte erzeugen lassen. Darüber hinaus steht eine heißisostatische Presse mit Quenching zur Verfügung. Davon ausgehend liegt einer der Forschungsschwerpunkte der AG alp in der Optimierung der Fertigungsprozesse für verschiedene Legierungen unter Berücksichtigung der kompletten Prozesskette. Dies beinhaltet auch die Betrachtung der Pulverqualität sowie nachgeschaltete Bearbeitungsprozesse. Anwendungsseitig liegt ein Schwerpunkt der Forschung in der individualisierten Anpassung von Materialeigenschaften wie dem E-Modul für generativ gefertigte medizintechnische Produkte und Implantate.

Exemplar einer 3D gedruckten Metall-Gitterstruktur

Die Fertigung dreidimensionaler mikroskopischer Bauteile mit Auflösungen im Nanometerbereich auf der Basis der Zwei-Photonenpolymerisation in Photopolymeren ist eine Schlüsseltechnologie für medizinische und mikrooptische Anwendungen. Die AG alp arbeitet in diesem Bereich an der Optimierung der Prozessgeschwindigkeit durch innovative Strahlführungen und Strahformungskonzepten sowie einem hybriden Ansatz unterschiedlicher laserbasierter Verfahren um makroskopische Bauteile mit nanoskopische Eigenschaften zu generieren.

Gerüststruktur zum Anwachsen von Zellen.